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Einkauf & TCO

Karton günstig kaufen: warum der Stückpreis nicht reicht

Was günstige Versandkartons in der Praxis wirklich kosten: ein Blick auf Material, Lohn und Maschinenstillstand bei automatisierter Verarbeitung.

Schramm Verpackung8 min Lesezeit

Wenn zwei Cent pro Karton 11.000 Euro kosten

Vor zwei Jahren haben wir bei einem Kunden den Auftrag verloren. Versandhändler im Norden, knapp 80.000 Kartons im Jahr, halbautomatische Linie. Sein Einkauf hatte auf einem Online-Marktplatz acht Prozent unter unserem Preis bestellt. Größe identisch, Wellpappenklasse laut Datenblatt identisch. Wir haben nichts gesagt. Kommt halt vor.

Sechs Monate später kam der Anruf, dieses Mal aus der Produktion. Die Linie steht häufiger. Beim Aufrichten kippte etwa jeder fünfzigste Karton schräg, der Falt-Sensor stoppte die Maschine, jemand musste eingreifen. Pro Vorfall anderthalb bis zwei Minuten Stillstand. Aufs Jahr addiert ergab die spätere Rechnung rund 11.400 Euro Mehrkosten gegenüber der vorherigen Charge. Die Einsparung beim Stückpreis hatte bei rund 4.800 Euro gelegen.

Wir haben uns dann die Charge angeschaut. Auf dem Datenblatt stand "B-Welle, ECT 4,8 kN/m". Auf der Linie lag die Streuung der Materialgrammatur bei rund 14 Prozent. Bei jedem zwanzigsten Karton war der Falt-Knick weniger sauber rilliert als bei den restlichen. So eine Streuung sieht man am Datenblatt nicht. Sie kommt aus dem Ausgangsmaterial und aus dem Verschleißzustand der Stanzwerkzeuge, und auf dem Spot-Markt ist sie deutlich höher als bei einem Werk, das jede Charge dokumentiert.

Wo das Geld bei einem Versandkarton tatsächlich landet

Im Einkauf nennt man die Gesamtbetrachtung gerne TCO, Total Cost of Ownership: Stückpreis plus alles, was ein Karton zwischen Wareneingang und Versand sonst noch an Aufwand verursacht. Lohn, Maschinenzeit, Reklamation, Folgeschäden. Klingt nach Beschaffungs-Englisch und meint genau das, was Ihre Buchhaltung am Ende des Jahres ohnehin zusammenrechnet. Fünf Posten sind es im Normalfall.

Material, der sichtbare Posten

60 bis 85 Prozent der Verpackungskosten landen hier. Material plus Anlieferung plus Mindermengen-Zuschläge plus Lagerumschlag. Größte Position, also der offensichtliche Optimierungs-Anker. Häufigster Fehler an dieser Stelle: nur den Stückpreis drücken, ohne zu schauen, was die anderen vier Posten dabei machen.

Arbeitszeit am Karton

Hilfskraft im Versand, inklusive Sozialabgaben, kostet 22 bis 28 Euro pro Stunde. Beim Standard-Faltkarton mit Klebeband-Verschluss sind sieben bis acht Sekunden pro Karton normal. Boden + Deckel zukleben. Bei 50.000 Stück sind das rund 110 Stunden Lohnarbeit, etwa 2.750 Euro. Stehen nirgends im Stückpreis.

Maschinenstillstand

Ein gestauchter oder schief gefalteter Karton reicht, damit die Linie stehenbleibt. Eingriff plus Restart, anderthalb bis zwei Minuten. Bei einer Defektrate von einem halben Prozent auf 50.000 Kartons sind das 250 Vorfälle im Jahr. Bei vollautomatischen Linien wird das schnell der teuerste Posten überhaupt, weil der Lohn weiterläuft, die Linie steht und sich die Folgeprozesse stauen.

Reklamation

Wenn der Wareneingang nachsortieren oder Paletten zurückweisen muss, kostet ein Reklamations-Vorgang 25 bis 90 Euro Bearbeitungsaufwand. Beleg, Foto, Lieferantengespräch, Gutschrift, Nachlieferung. In einem schlechten Lieferantenmonat hat man davon fünf oder sechs.

Transportschäden durch Verpackungsversagen

Der unangenehmste Posten, weil er sich schlecht quantifizieren lässt und gleichzeitig oft den größten Hebel hat. Wenn der Karton beim Empfänger ankommt und der Inhalt beschädigt ist, hat der Stückpreis mit den tatsächlichen Kosten nichts mehr zu tun. In der Beispiel-Rechnung weiter unten lassen wir den Posten weg, weil er zu sehr von der Branche abhängt. Wer bruchempfindliche oder hochwertige Güter versendet, sollte ihn trotzdem in jeder TCO-Diskussion mitführen.

Ein konkretes Beispiel

50.000 Standard-Faltkartons mit Klebeband-Verschluss, Größe 300 × 200 × 150 mm, halbautomatische Linie. Zwei Angebote, auf dem Datenblatt dieselbe Wellpappenklasse.

Beispielrechnung: 50.000 Faltkartons im Jahr, halbautomatische Linie
PositionKarton A (günstig)Karton B (qualitätsgesichert)
Stückpreis netto0,14 €0,16 €
Materialkosten im Jahr7.000 €8.000 €
Defektrate beim Aufrichten1,8 %0,3 %
Maschinenstillstand pro Jahr1.620 €270 €
Reklamations-Aufwand400 €50 €
Lohn-Mehraufwand bei Defektenca. 600 €ca. 100 €
Summe TCO im Jahr9.620 €8.420 €

Branchentypische Werte. Reale TCO hängt stark vom Maschinenpark, Lohnniveau und Schichtmodell ab. Bei vollautomatischen Linien fällt der Unterschied zugunsten Karton B noch deutlicher aus.

Im Stückpreis ist Karton B 14 Prozent teurer. In der Gesamtrechnung ist er 12,5 Prozent günstiger. 1.200 Euro Differenz im Jahr. Bei höherer Auslastung oder schwereren Produkten wird der Vorsprung größer.

Die Bauart entscheidet stärker als der Stückpreis

Die Diskussion, die in Karton-Ausschreibungen fast immer fehlt: welche Bauart passt zu Ihrer Verarbeitung? Drei Varianten dominieren im B2B-Versand. Stückpreise und Lohn-Aufwand sehen so aus:

Drei gängige Karton-Bauarten im Vergleich (Größe 300 × 200 × 150 mm, 50.000 Stück/Jahr)
BauartStückpreis netto (typ.)Aufrichten + VerschließenAnwendung
Standard-Faltkarton (FEFCO 0201)0,14 €~8 s pro StückKlassiker, günstigster Stückpreis, zwei Hand-Operationen (Boden + Deckel zukleben)
Automatikboden-Karton (FEFCO 0215)0,18 €~4 s pro StückBoden klappt beim Aufrichten ein. Material teurer, dafür halbe Aufrichtzeit
Selbstklebeverschluss (mit Aufreißlasche)0,17 €~3 s pro StückStreifen abziehen statt Klebeband. Versandhandel-Standard, ohne Klebeband-Spender

Richtwerte für mittlere Mengen. Reale Preise hängen von Bedruckung, Auflage und Logistik ab. Gerne ein konkretes Angebot anfragen.

Beim Standard-Faltkarton (FEFCO 0201) ist der Stückpreis am niedrigsten. Dafür hat man zwei Hand-Operationen pro Karton: Boden und Deckel zukleben. Bei 50.000 Kartons und acht Sekunden Klebeband-Aufwand pro Stück sind das gut 110 Stunden im Jahr. Mit 25 Euro pro Stunde Lohn macht das 2.750 Euro. Nur fürs Tape.

Beim Automatikboden-Karton klappt der Boden beim Aufrichten in einem Zug ein und verriegelt sich selbst. Kein Klebeband, keine Hand-Operation. Material ist 20 bis 30 Prozent teurer. Dafür sparen Sie im Schnitt vier Sekunden pro Karton an Aufrichtzeit, was bei 50.000 Stück knapp 56 Stunden ergibt, also ungefähr 1.400 Euro. Ab mittleren Mengen kippt die Rechnung deutlich zugunsten Automatikboden.

Beim Selbstklebeverschluss fällt das Klebeband oben weg. Streifen abziehen, Deckel zudrücken, fertig. Häufig kombiniert mit Aufreißlasche für den Endkunden. Im Versandhandel mit dichter Hand-Pack-Linie ist der Geschwindigkeitsvorteil massiv: drei Sekunden statt acht pro Karton. Stückpreis-Aufschlag liegt typisch bei drei bis fünf Cent. Wer 50.000 Kartons im Jahr packt, spart über 60 Stunden Hand-Arbeit gegenüber dem Standard-Karton.

Welche Maschinen meinen wir hier eigentlich

Damit die Empfehlungen nicht im Abstrakten bleiben: wenn wir von „halbautomatischer Linie" oder „automatischem Aufrichter" sprechen, gibt es im B2B-Versand drei typische Setups.

Hand-Pack-Linie: kein Aufrichter. Mitarbeiter ziehen die Kartons flach vom Stapel, falten sie auf, kleben den Boden mit dem Tisch-Tape-Spender, packen das Produkt ein. Hier entscheidet der Stückpreis, weil keine Maschine läuft, die stehen bleiben könnte. Trotzdem ist hier die Bauart-Entscheidung Standard versus Automatikboden am stärksten spürbar, weil Lohnkosten direkt durchschlagen.

Halbautomatischer Karton-Aufrichter: Bediener legt den Karton zu, Maschine richtet auf, faltet den Boden, siegelt mit Klebeband. Hier werden Stanzkanten-Toleranzen und Falt-Knick-Präzision der Wellpappe kritisch, weil die Maschine einen bestimmten Toleranzbereich erwartet. Schwankt die Charge, gibt es Staus.

Vollautomatische Linie: alles in Reihe. Aufrichter, Befüller, Deckelverschließer, Stretcher. Toleranzen sind hier am engsten. Ein Karton außerhalb der Spec wandert ins Aus-Schub-Magazin oder die Linie stoppt komplett. Auf so einer Anlage sehen wir die größten Effekte einer schwankenden Wellpappen-Charge.

Wer billig kauft, kauft zwei mal

Wir verkaufen Verpackung. Neutral können wir hier also nicht sein. Dafür direkt: was bei vielen Spot-Markt-Anbietern unter den Datenblatt-Werten geliefert wird, hält in der laufenden Linie oft nicht. Drei Sachen, die nicht aus unseren Verkaufsprospekten kommen, sondern von Kunden, die nach einem Versuch zurückgekommen sind:

Erstens, die Wellpappen-Grammatur. Beim Schnäppchen-Anbieter liegt sie oft am unteren Toleranzbereich. Wenn das Datenblatt „120 g/m² Außenliner" sagt, kommen in der echten Charge gerne 110 g/m² an. Spart dem Lieferanten Material, fällt im Wareneingang nicht auf, bricht erst auf der Linie durch. Stapelfestigkeit sinkt, Stanzkanten splittern eher.

Zweitens, die Stanzwerkzeuge. Werden teilweise viel länger genutzt als von uns. Stumpfe Messer produzieren faserige Stanzkanten, die bei Klebeband-Verschluss-Maschinen die saubere Bandapplikation verhindern. Sieht man im Wareneingang nicht. Heißt im Betrieb: jeder fünfzigste oder zwanzigste Karton geht durch die Verschließmaschine mit kaum sichtbarem Tape-Knick, und beim Versand reißt der Karton auf.

Drittens, die Klebenahtfestigkeit. Industrieller Hot-Melt kostet Geld. Billigere Klebstoffe schwächeln bei Wärme oder Feuchte. In zentralbeheizten Lagern fällt das oft erst im Sommer auf, dann auf einmal.

Das ist kein theoretisches Szenario: die Mehrkosten beim Versandhandel-Kunden vom Anfang dieses Artikels lagen bei knapp dem Dreifachen der Einsparung. Aus unserer Erfahrung der Normalfall bei einem Spot-Markt-Anbieter, nicht die Ausnahme. Die meisten Kunden machen den Wechsel zurück nicht aus Loyalität zu uns, sondern weil sie die Folgekosten ein Quartal lang gemessen haben.

Wie wir liefern

Wir produzieren in eigenen Werken mit dokumentierter Chargen-Kontrolle. Bei größeren Anfragen kommt einer aus dem Anwendungs-Technik-Team vorbei und sieht sich die Linie an. Empfehlung ist manchmal, die Wellpappenklasse zu reduzieren, weil sie überdimensioniert ist. Manchmal die Bauart zu wechseln, weil die Lohnkosten dominieren. Was wir nicht machen: einen günstigeren Stückpreis liefern, indem wir die Charge schlechter kontrollieren. Geht nicht zusammen.

Wir liefern in einer Bandbreite von einfacher Qualität bis hochwertig, und welche Klasse Sie wirklich brauchen, hängt vom Maschinenpark, der Stapelhöhe und dem Versandweg ab. Da gibt es keine pauschale Empfehlung. Unser Karton-Sortiment deckt Standard-Faltkartons, Automatikboden-Kartons mit Selbstklebeverschluss sowie 1-wellige, 2-wellige und 3-wellige Wellpappen-Qualitäten ab. Wenn Sie wissen wollen, was Ihre konkrete Konstellation kostet, machen wir die Rechnung gerne zusammen mit Ihnen.

Häufige Fragen

Wann lohnt sich der Wechsel auf Automatikboden?
Faustregel aus unserer Praxis: ab etwa 30.000 Kartons im Jahr in Hand-Pack oder halbautomatischer Linie rechnet sich der Material-Aufschlag durch die Lohn-Ersparnis beim Aufrichten. Bei vollautomatischen Linien kommt eine Frage dazu, die nicht wir beantworten: ob Ihr Aufrichter für Standard- oder Automatikboden konfiguriert ist. Das klärt der Maschinen-Hersteller. Beide Bauarten haben wir lagernd.
Selbstklebeverschluss oder Klebeband-Verschluss: was ist günstiger?
Im Stückpreis Klebeband. In der TCO-Rechnung kippt es zu Gunsten Selbstklebeverschluss, sobald man Tape-Rollen, Spender, Wartung, Bediener-Zeit und Retouren-Komfort einrechnet. Im Versandhandel mit hohem Endkunden-Anteil kommt die Aufreißlasche dazu: Kunden öffnen einfacher, Reklamationsquote sinkt. Bei reinem B2B-Versand zwischen zwei Industriebetrieben ist der Effekt kleiner.
Wann ist ein 'Billig-Karton' wirklich gleichwertig?
Selten, aber es kommt vor. Wenn das Datenblatt ECT, Wellenklasse und Fertigungstoleranzen sauber dokumentiert, die Charge in einem ISO-zertifizierten Werk gefertigt wurde und der Anbieter Referenzkunden mit Ihrem Maschinen-Typ nennen kann, ist ein günstigeres Angebot ernsthaft zu prüfen. Was wir bei vielen Online-Marktplatz-Anbietern sehen, ist genau das Gegenteil: Datenblatt sieht aus wie unseres, die Charge schwankt aber um 10 bis 15 Prozent in der Wellpappen-Grammatur. Das fällt nur auf der Maschine auf.
Was kostet ein Maschinen-Stopp wirklich pro Stunde?
Hängt stark von der Linie ab. Hand-Pack: überschaubar, der Bediener macht in der Zeit was anderes. Halbautomatisch: 80 bis 200 Euro pro Stunde aus Lohn plus entgangener Verarbeitung. Vollautomatisch in Lebensmittel oder Pharma: schnell 500 bis 1.500 Euro pro Stunde. Für eine TCO-Schätzung reicht meistens der Lohn-Anteil, weil entgangene Produktivität selten direkt monetarisiert wird.
Wie bekomme ich bei Schramm eine konkrete TCO-Rechnung?
Schicken Sie uns Jahresmenge, Karton-Größe, Bauart und wie Sie verarbeiten (Hand, halbautomatisch, vollautomatisch). Bei größeren Volumina kommt einer aus dem Anwendungs-Technik-Team vorbei und sieht sich die Linie an. Das Ergebnis ist nicht zwingend „kaufen Sie bei uns“. Manchmal ist es „bleiben Sie bei der bestehenden Bauart, fragen Sie aber bei Ihrem aktuellen Lieferanten den Spec-Nachweis an“. Geht auch.

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